Der Essay als Universalgattung des Zeitalters

Diskurse, Themen und Positionen zwischen Jahrhundertwende und Nachkriegszeit

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Seit Mitte der 1990er Jahre ist die Essay-Forschung wieder in Bewegung geraten. Während ältere Untersuchungen auf einen Überblick der Gattungsgeschichte fixiert waren, hat sich nunmehr das Postulat einer notwendigen Historisierung der Essayproduktion durchgesetzt. Zugleich ist die Einsicht in die besondere Bedeutung des Reflexionsmediums Essay für die gattungsauflösende literarische Moderne und die durch vielfältige Medieninnovationen geprägte Postmoderne gewachsen. Daher begreift der Sammelband, der sich bewusst von gängigen literaturgeschichtlichen Epochengliederungen abgrenzt, den bis heute in fast unüberschaubarer Vielfältigkeit auftretenden Essay als Universalgattung des Zeitalters. Präsentiert werden neben bereits bekannte(re)n Autoren auch solche, deren einschlägiges Werk bislang kaum Aufmerksamkeit erregt hat. Die behandelten Essays werden unter vier systematischen Fragestellungen diskutiert: Gattung und Form, kognitive Aspekte, Themenspektrum und institutionelle Verortung sowie Medialität.
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Biographical Note

PD Dr. Michael Ansel lehrt Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Bergischen Universität Wuppertal. Mitherausgeber von Die Erfindung des Schriftstellers Thomas Mann (2009). Zahlreiche Aufsätze zur Literatur des Vormärz und der Klassischen Moderne, zur Wissenschaftsgeschichte der Germanistik und zum Verhältnis von Literatur und Recht.

Prof. Dr. Jürgen Egyptien, geb. 1955, lehrt Neuere Deutsche Literaturwissenschaft an der RWTH Aachen. Forschungsschwerpunkte sind Stefan George und der George-Kreis, Essayistik des 20. Jahrhunderts, Roman der Nachkriegszeit (v.a. Wolfgang Koeppen und Hans Lebert) und moderne Lyrik.

Prof. Dr. Hans-Edwin Friedrich, Professur für Neuere Deutsche Literatur an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Forschungsschwerpunkte: Literatur des 18. und 20./21. Jahrhunderts; Avantgarden, nichtkanonisierte Literatur.

Table of contents

Michael Ansel, Jürgen Egyptien und Hans-Edwin Friedrich: Essayistik der Moderne (1918–1950). Forschung, Probleme, Perspektiven


ESSAY ALS GATTUNG UND FORM

Sven Hanuschek: “Der Morgen-Waller breitet weit seine Armeˮ. John Henry Mackays autobiographische Essay-Romane (1891/1920)
Birgit Nübel: Essayismus als Metatext
Tim Mehigan: Musils Essayistik
Gabriele Sander: “Raum für Reflektionˮ – Alfred Döblin als Essayist
Carola Hilmes: Essay zwischen Kunst und Kritik. Zu Albrecht Fabri


KOGNITIVE ASPEKTE

Simon Jander: “Entdeckerische Spontaneitätˮ? Zu Rudolf Kassners Essayistik
Tina Winzen: Rudolf Borchardts Sappho. Schöpferische Restauration im Essay
Elisabeth Kampmann: Essay und Dilettantismus: Egon Friedell
Hans-Edwin Friedrich: Physiognomik des essayistischen Ich. Zum Perspektivismus in Gottfried Benns Essayistik der 1930er Jahre
Michael Ansel: Nachkriegsperspektiven auf Gottfried Benn: Rychner, Muschg und Bense
John A. McCarthy: Der Essay als Sprengstoff: Zur Frage nach dem Verhältnis von Energie und Materie am Beispiel von Friedrich Dürrenmatts Essays


FRAGESTELLUNGEN UND THEMEN

Jutta Heinz: Der moderne Essay als Imaginations- und Erfahrungsraum bei Virginia Woolf
Hermann Dorowin: Der Essay als Kraftstation. Walter Benjamins Karl Kraus
Marijan Bobinac: Das essayistische Werk Miroslav Krležas
Bernhard Fetz: Zwischen Heidegger, Kafka und der Atombombe – Zur veröffentlichten und unveröffentlichten Essayistik des Schriftstellers und Philosophen Günther Anders
Jürgen Egyptien: Der frühe Albrecht Fabri als Essayist und Theoretiker des Essays


INSTITUTIONEN UND MEDIALITÄT

Georg Stanitzek: Geist und Essay um 1900. Typografische Beobachtungen
Adrian Widmann: Ernst Jüngers Lob der Vokale. Essayistische Positionierungshilfe auf dem Autorenmarkt seit 1934
Frieder von Ammon: Performative Essayistik. Der Essay zwischen Aufführung und Schrift
Ulrich Fröschle: Max Bense zum Beispiel. Zur Essaykultur und Essaytheorie in der frühen Bundesrepublik
Kai Kauffmann: Rhetorische Materialmontage und regieführendes Autorsubjekt. Zur Kritik der Essayistik Alexander Kluges am Beispiel der Fernsehnachschriften Facts & Fakes

Readership

Wissenschaftler mit Interesse an der Essay-Forschung oder an der deutschsprachigen Literatur der Moderne und Postmoderne.