Essentialität und Notwendigkeit: Avicenna und die Aristotelische Tradition

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In Essentialität und Notwendigkeit: Avicenna und die Aristotelische Tradition stellt Fedor Benevich einen Kerngedanken der Metaphysik und der Epistemologie Avicennas (gest. 1037) vor: seine Theorie der Essenz und der wissenschaftlichen Bestimmung essentieller und notwendiger Attribute. Die Studie untersucht zentrale Begriffe der avicennischen Philosophie wie Essentialität, Notwendigkeit, Universalität, Unmittelbarkeit, Primärheit und Spezifizität. Zudem wird erstmals dargelegt, wie Avicenna seine Position in Bezug auf diese Thematik im Laufe seiner Karriere entwickelte und so seinen revolutionären “konzeptionellen Essentialismus” ausarbeitete. Es wird weiterhin gezeigt, dass Avicennas Position der aristotelischen Tradition zu Teilen folgt, von dieser jedoch am zentralen Stellen abweicht, insbesondere dort, wo sich Avicenna kritisch mit den Interpretationen der „Bagdader Peripatetiker“ auseinandersetzte.

In Essentialität und Notwendigkeit: Avicenna und die Aristotelische Tradition Fedor Benevich presents the key doctrine of Avicenna’s (d. 1037) metaphysics and epistemology: his theory of essence and the scientific determination of essential and necessary attributes. The book studies central notions of Avicenna’s philosophy such as essentiality, necessity, universality, immediacy, primacy, and specificity. It also provides an unprecedented account of how Avicenna’s views on these issues changed throughout his career, in arguing for his revolutionary “conceptual essentialism”. Avicenna’s position partially follows the Aristotelian tradition yet also departs from it, especially when Avicenna argues against the Baghdad Peripatetic School.
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Biographical Note

Fedor Benevich, Dr. phil. (2016) ist ein wissenschaftlicher Mitarbeiter an der LMU München. Seine Forschung befasst sich mit der spätantiken und islamischen Philosophie. Fedor Benevich, Ph.D. (2016) is research assistant at LMU Munich. His research focuses on late ancient and Islamic philosophy.

Table of contents

Danksagung
Einführung  1  Zur Essenz  2  Essentialität: Verortung und Kontext  3  Avicenna in Entwicklung  4  Avicennas Vorgänger und Gegner: Die aristotelische Tradition  5  Die Einteilung der Untersuchung

Teil 1 Epistemische Notwendigkeit


Einführung
1.1 Die Notwendigkeit der wissenschaftlichen Prämissen  1  Von der notwendigen Konklusion zu den notwendigen Prämissen  2  Wissenschaft vom Nicht-Notwendigen?  3  Die Notwendigkeit der Erkenntnis und Barbara LXL  4  Avicennas Vorgänger  5  Partikuläre Prämissen
1.2 Prädikative vs. existentielle Notwendigkeit  1  Notwendigkeit und Essenz-Existenz-Unterscheidung  2  S ist notwendigerweise P, solange es P ist“ und Materie/Form-Distinktion  3  Definition der epistemischen Notwendigkeit  4  Notwendigkeit und Ewigkeit  5  Ewigkeit und existentielle Notwendigkeit  6  Kann das Subjekt kontingent sein?  7  Das Prinzip der Fülle und die mentale Existenz  8  Die epistemische Fülle des Subjekts und die existentielle Notwendigkeit
1.3 Waṣfī- vs. ḏātī-Modus  1  Von ḏātī zu waṣfī: Strobinos Interpretation  2  Schritt 1: von ḏātī2 zu ḏātī1  3  Schritt 2: von ḏātī1 zu waṣfī  4  Nicht-Akzidentialität des waṣfī in der Episteme  5  Übersetzung des Barbara LXL in Barbara LLL  6  Einschließung des zeitlich Bestimmten und Unbestimmten in waṣfī  7  Dictum de omni, Beständigkeit und Notwendigkeit  8  Syllogistische und epistemische Notwendigkeit: allgemeine Bemerkungen
Schlussfolgerung

Teil 2 Burhān-Essentialität und per-se-Prädikation


Einführung
2.1 Per-se-Prädikation in An. Post. A.4
2.2 Per se 1: Konstituenten  1  Per se 1 und die Antwort auf die Frage: Was ist es?  2  Das Verweisen (dalāla): Differentiae und die extensionale Implikation  3  Der Beitrag von Mūǧaza (II): An die Spitze des Porphyrius-Baumes  4  Per se 1 und Konstituens (muqauwim): Avicennas essentielle Mereologie
2.3 Per se 2: Essentielle Akzidentien  1  Die Ausdehnung des per se 2  2  Die Entwicklung des per se 2 in unterschiedlichen Werken Avicennas  3  Notwendigkeit des per se 2: Dichotomische und nicht-dichotomische Teilung  4  Per se 3 und per se 4
2.4 Die Geschichte des per se in der aristotelischen Tradition  1  Alexander von Aphrodisias  2  Themistius und Philoponus: Festsetzung der Begrifflichkeit  3  Bagdader Schule und der „andere“ Aristoteles  4  Al-Fārābīs originelle Interpretation: Per se und Fundierungszusammenhänge  5  Avicennas essentielle Akzidentien bei al-Fārābī  6  Die Antwort auf die Frage „Was ist es?“: Avicenna gegen Peripatetiker
Schlussfolgerung

Teil 3 Universalität, Primärheit und Unmittelbarkeit


Einführung
3.1 Der Begriff auwalī  1  Primärheit  2  Unmittelbarkeit
3.2 Primärheit der per-se-Prädikate  1  Primärheit des per se 1  2  Primärheit des per se 2: Die Attribut-Paare und ihre Anteile  3  Differentiae: Primär und per se 2?
3.3 Von Aristoteles zu Avicenna: Zwischen Unmittelbarkeit und Primärheit  1  Themistius, Philoponus und Ibn Zurʿa: Primärheit ist zusätzlich zu per se  2  Al-Fārābī und Avicenna: Burhān in Mūǧaza (II) und Ḥurūf in Muḫtaṣar
Schlussfolgerung

Teil 4 Essentialität und Spezifizität


Einführung
4.1 Bedeutung der Spezifizität: Avicenna gegen Porphyrius
4.2 Spezifizität der per-se-Prädikate: Propria und essentielle Akzidentien  1  Spezifizität in den Definitionen der essentiellen Akzidentien  2  Spezifizität und die per-se-2-Prädikate
4.3 Per se und Spezifizität in der aristotelischen Tradition  1  Alexander und Philoponus: Essentielle Akzidentien sind die Propria  2  Bagdader Peripatetiker und al-Fārābī: Spaltung wegen Propria
Schlussfolgerung

Teil 5 Zweite Definition der Essentialität: Isagoge


Einführung
5.1 Madḫal-Definition der Essentialität
5.2 Verwechslung der Burhān- und Madḫal-Essentialität  1  Die Anwendbarkeit der Wissenschaftstheorie  2  Madḫal-Essentialität vs. Burhān: Neudefinierung als Methode  3  Sechs Definitionen des Akzidens in Avicennas Ḥudūd
5.3 Οὐσιώδης (gauharī) und καθ αὑτό (bi-ḏātihī) in der aristotelischen Tradition  1  Die spätantike Tradition: Die Anfänge der Verwechselung  2  Avicenna gegen Bagdader Peripatetiker  3  Al-Fārābī: Nochmals Avicennas Vorbild
Schlussfolgerung

Teil 6 Dritte Definition der Essentialität: Primärheit


Einführung
6.1 Auwalī-Definitionen der Essentialität bei Avicenna  1  Per se 5: Essentialität ist Unmittelbarkeit  2  Avicennas Lieblingsdefinition der Essentialität: Essentialität ist Primärheit
6.2 Von Aristoteles zu Avicenna: Essentialität und Primärheit  1  Spätantike Tradition: Die Entstehung des per se 5  2  Arabische Tradition vor Avicenna: Immer noch keine Primärheitsdefinition
Schlussfolgerung

Teil 7 Essentialität und Notwendigkeit


Einführung
7.1 Begriff des lāzim  1  Essentielle lawāzim  2  Anbindung der essentiellen Akzidentien an die Konstituenten  3  Nicht-essentielle lawāzim: Notwendigkeit ohne jegliche Essentialität
7.2 Die konzeptionelle Prüfung der Essentialität  1  Konzeptionelle Unabtrennbarkeit und Priorität der Konstituenten  2  Konzeptionelle Unabtrennbarkeit der essentiellen lawāzim  3  Anwendung und Zuverlässigkeit der konzeptionellen Prüfung
7.3 Theorie des Verweisens und der konzeptionelle Essentialismus  1  Das iltizām-Verweisen in Manṭiq al-Mašriqīyīn  2  De dicto oder de re: Avicenna und der moderne Essentialismus  3  Empirismus, Essentialität und die Sicherheit der Erkenntnis
7.4 Unabtrennbarkeit und konzeptionelle Prüfung in der aristotelischen Tradition  1  Alexander und Porphyrius: Entstehung der Wegnahme-Prüfung  2  Ammonius’ Schule: Nur Konstituenten sind konzeptionell unabtrennbar  3  Themistius und Philoponus: Alles per se ist konzeptionell unabtrennbar  4  Arabische Tradition vor Avicenna  5  Avicenna gegen Abū l-Faraǧ b. aṭ-Ṭaiyib
Schlussfolgerung
Zusammenfassung
Bibliographie Index

Readership

Wissenschaftler und Studenten, die sich mit der Philosophiegeschichte beschäftigen (insbesondere der Spätantike und der islamischen Welt) und alle diejenigen, die sich für die Metaphysik und Logik interessieren. Scholars and students of the history of philosophy (especially late ancient and Islamic philosophy) and all interested in metaphysics and logic.