Schutz und Andacht im Islam: Dokumente in Rollenform aus dem 14.–19. Jh.

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Author: Tobias Nünlist
Schutz und Andacht im Islam befasst sich mit handschriftlichen Dokumenten in Rollenform, die zwischen dem 14. und 19. Jh. entstanden sind. Die vorgestellten Belegstücke stammen aus unterschiedlichen geographischen Kontexten: a. Städtedreieck Tabriz-Konya-Bagdad; b. persischer Kulturraum; c. Osmanisches Reich. Diese Rollen waren bei Angehörigen von Männerbünden (Sufi-Orden, Futuwwa- und Aḫī-Gruppierungen, Gilden) beliebt. Die Studie untersucht das auf diesen Dokumenten verwendete textliche und ge¬stalterische Vokabular. Neben Passagen aus dem Koran (auch vollständige Abschriften) lassen sich oft Gebete und weitere Texte frommen Inhalts feststellen. Gelegentlich finden sich Hinweise, dass die Dokumente aus heterodoxen Umfeldern stammen. Die Studie unterstreicht ausserdem den hohen kunsthistorischen Wert der vorgestellten Belegstücke, die oft für Angehörige von gesellschaftlichen Eliten angefertigt worden sind. Devotion and Protection in Islam deals with hand-written documents in the scroll format dating from the 14th–19th centuries. These documents can be attributed to various geographic contexts: a. the triangle between the cities of Tabriz, Konya and Baghdad; b. the Persianate world; c. the Ottoman Empire. These scrolls were appreciated by members of different associations (Männerbünde; e.g. Sufi orders, Futuwwa and Aḫī groups). This study analyses the textual and ornamental vocabulary applied on the scrolls. The copied texts mostly comprise passages from the Quran and prayers. Certain features suggest that such scrolls were often produced in heterodox environments. Additionally, this study underscores the high art-historical value of these documents, particularly appreciated by members of the ruling elite.
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Tobias Nünlist (1963) ist Privatdozent am Asien-Orient-Institut der Universität Zürich. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören u.a. kodikologische Fragestellungen. Er befasste sich auch eingehend mit dem Dämonenglauben in der vormodernen islamischen Welt und interessierte sich wiederholt für Themen aus der islamischen Mystik. Tobias Nünlist is a Privatdozent at the Institute of Asian and Oriental Studies, University of Zürich. He specialises in codicology in Arabic script and has worked on demonology in the premodern Muslim world and numerous topics relevant to Islamic mysticism.
Einleitende Worte
Abbildungsverzeichnis

Teil 1 Kontextualisierung



1 Gegenstand der Arbeit und ideologische Kontextualisierung
 1.1 Gegenstand der Untersuchung und relevante Begrifflichkeiten
 1.2 Vorbemerkungen zur ideologischen Kontextualisierung
 1.3 Zu den Abhängigkeiten zwischen Magie (siḥr) und Mystik (taṣawwuf)

2 Zum historischen Hintergrund
 2.1 Vom Einfall der Mongolen bis zum Auftreten Timurs in Iran (1381)
 2.2 Timurs Auftreten in Iran (1381–1405)
 2.3 Die Vormachtstellung der Turkmenen in Iran und im Iraq im 15. Jh.
 2.4 Der Aufstieg der Safawiden in Ardabil: Vom sunnitischen Derwischorden zum schiitischen Gottesstaat
 2.5 Die Osmanen und Safawiden und ihre Konfrontationen im 16. Jh.
 2.6 Zur Position der Schia in Iran im 16. Jh.
 2.7 Die Entwicklungen im Osmanischen Reich im 17. Jh. bis zum Entsatz von Wien (1683)
 2.8 Iran nach dem Ende der Dynastie der Safawiden (1722)

3 Sufismus und Futuwwa
Männerbünde und ihre sozialen und religiösen Bezüge
 3.1 Hinweise auf ausgewählte Derwischorden
 3.2 Das Bundeswesen im Islam
 3.3 Alid loyalty oder die Schiitisierung der Futuwwa-Bewegung
 3.4 Ausgewählte Aspekte des Brauchtums im Umfeld von Männerbünden

Teil 2 Beschreibungen



Einleitung zum Teil 2

4 Der Städtedreieck-Typ
 4.1 Michigan, Isl. Ms. 220
 4.2 Kopenhagen, David Collection, 37–1996
 4.3 Berlin, Staatsbibliothek, Ms. or. oct. 218
 4.4 Kopenhagen, The Royal Library, Cod. Arab. 53
 4.5 Paris, Bibliothèque Nationale de France, Arabe 6088
 4.6 Dublin, Chester Beatty Library, Is 1624
 4.7 Dublin, Chester Beatty Library, Is 1625
 4.8 Basel, Universitätsbibliothek, M III 173
 4.9 Dublin, Chester Beatty Library, Is 1626
 4.10 Rolle des Ġiyāṯ ad-Dīn, Sultanat von Eretna (Ost-Anatolien)

5 Der persische Typ
 5.1 Berlin, Staatsbibliothek, Ms. or. oct. 146
 5.2 Fondation Martin Bodmer, Cologny (Genève), CB 542
 5.3 Dublin, Chester Beatty Library, Is 1623
 5.4 Paris, Bibliothèque Nationale de France, Arabe 5102
 5.5 Dublin, Chester Beatty Library, Is 1622; mit ergänzenden Hinweisen zu Is 1621

6 Der osmanisch-türkische Typ
Rollen der Andacht aus dem Umfeld von Derwischorden: Sieben Belegstücke aus dem Westteil des Osmanischen Reichs (17. Jh.)
 6.1 Einleitende Bemerkungen
 6.2 Bemerkungen zu Inhalt und Gestaltung der Rollen
 6.3 Bemerkungen zur ideologischen Einordnung der Dokumente
 6.4 Zum historische Kontext
 6.5 Abschliessende Bemerkungen

7 Schlussbemerkungen und Hinweise auf späte Dokumente
 7.1 Paris, Bibliothèque Nationale de France, Arabe 571, und Kopenhagen, The Royal Library, Cod. Arab. Add. 49
 7.2 Hinweise auf weitere einer Untersuchung würdige Belegstücke
 7.3 Exkurs: Dokument in Blockdruck-Technik: Khorasan, datiert 535/1140

English Abstract
Appendix: Übersicht über die identifizierten Amulettrollen
Bibliographie
Verzeichnis der angeführten Koranstellen
Index
Die Untersuchung richtet sich an ein islamwissenschaftliches Publikum, das sich besonders für Fragen der Mystik, Magie, Kodikologie und Kunstgeschichte interessiert. This study addresses an audience interested in Islamic studies in general and in mysticism, magic, codicology and art history in particular.